Hallo,
es geistern ja immer viele böse und liebe Gerüchte über die LPIC (Linux Professional Certificate) herum.
Da ich nun seit dem 1. April (komisches Datum dafür, oder?) selber LPIC zertifiziert bin, möchte ich einmal gerne meine eigenen Erfahrungen dazu hinausbringen.
Ich werde einfach einmal die mir am meist an den Kopf geschmissensten Kontra dazu erläutern.
“Warum nehmen die dafür Geld, Linux ist frei und mein Wissen muss ich nicht mittels Geld beweisen”
Okay das ist einer der wirklichen Glaubensfragen. Viele sind unwissend der Meinung, dass OpenSource gleichbedeutend mit kostenlos ist, das stimmt so nicht! OpenSource im Sinne der (L)GPL zum Beispiel bedeutet im Großen und Ganzen, dass die Software auch im Sourcecode frei für jegliche Modifikationen (natürlich unter einhaltungen der Copyright Rechte) zur Verfügung gestellt sein muss.
OpenSource Software aka GPL kann ebenso kostenpflichtig sein, das ist allerdings auch nur die wenigste.
Nun warum soll man sein Wissen nun mittels eines Blatt Papier beweisen wofür man auch noch Geld ausgeben musste (oder der Arbeitgeber zumindest, danke an die ameus!)?
Wie doch jeder in der heutigen Wirtschaft wissen müsste zählen keine persönlichen Qualifikationen solange man sie nicht auf einem Stück Papier vorlegen kann. Ich kenne aus vertraulichen Quellen Universitäten wo man sich in jede Vorlesung etc. auch als nicht-Student hinsetzen kann und mitlernen darf (in Unwissenheit der Lehrkräfte natürlich) - wenn man dies die regulären Semester mitmacht müsste man nun theoretisch das selbe Wissen und somit die selben Qualifikationen erlangt haben, wie die wirklichen Mitstreiter - aber welcher Personalchef wird das schon anerkennen? “Ich hab heimlich 12 Semester Informationstechnologie mitgemacht, ich kann Ihnen alles sofort beweisen!” - man dürfte gleich die nächste Bewerbung schreiben dürfen.. Kleiner Anhang: Zu den Prüfungen muss man allerdings Ausweis etc vorweisen, man kann also fast komplett umsonst studieren
Auf der heutigen Welt und gerade in dem Fachbereich zählen für eine Einstellung ersteinmal viel mehr als wirkliches praktisches Wissen und eine richtige Motivation die Jobgerichtet ist - es zählt gerade in der Vorauswahl NUR das was man auf Papier vorweisen kann und die LPI ist in dem Falle das einzige relativ gut anerkannte Zertifizierungsinsitut für Linux Kenntnisse, also was ist daran auszusetzen sich sein Leben ein Stück weiter abzusichern?
LPIC ist reine ausweniglernerei!
War das nicht schon immer überall so? Klar, ein wirkliches Wissen und Talent ist immer überlegen, aber ein Großteil des Lebens, seit Beginn der Schulzeit an, basiert auf auswendig lernen!
Ja ich habe viel für LPIC gelernt, der Themenumfang ist dabei einfach gewaltig. Ich schätze, dass sogut wie niemand ohne zusätzliches lernen von bestimmten Themenbereichen LPIC bestehen würde, da man gerade als ITler nicht alles kann, das Gebiet ist zu weitfächrig.
Aber warum fordert die LPI dann sowas?
Nein das tut sie nicht.
Ich denke das was ich am besten während meiner LPI Zertifizierung gelernt habe ist, wie man sich sein Wissen “mal eben schnell zusammenklappert”. Von absoluter wichtigkeit ist der Umgang mit man- und infopages - viele kennen das bestimmt, es kommt ein Newbie in einem Channel, stellt eine für einen selbst absolut doofe Frage, man antwortet etwas a la “RTFM man cp!”, doch nach meiner Erfahrung haben das wirklich viele im Vorfeld schon getan, nur sie konnten mit den dort angebotenen Informationen nicht umgehen! So ging es mir auch mit perldoc wo ich zu den Anfängen meiner Perlzeit noch stand, die Dokumentationen waren alle da, super! Nur was heisst das nun alles??
Man wird bei der LPIC über alle möglichen Themenbereiche abgefragt, da man nunmal nicht alles weiss, muss man sich reinarbeiten, es gibt Menschen die lernen es einfach auswendig, sprich Fachidioten (manpage lesen kann ja jeder, aber anwenden ist das Ding!) oder eben Leute, die sich zu den ganzen Themengebieten Testsysteme aufsetzen, nachforschen (mittels manpages ist von mir empfohlen!) und es selber ausprobieren, das hat auch bekanntlich den besten Lerneffekt.
Nach meiner Erfahrung erwartet die LPI kein reines auswendig lernen, sondern rudimentäre Kenntnisse in Linux, allerdings sehr gute Kenntnisse in wie man sich neues Wissen aneignen kann.
LPI ist doch total unbekannt und bringt nichts bei Bewerbungen.
Es ist mittlerweile schon recht bekannt, aber man kann den Spieß doch einfach umdrehen und den Personalchef mal als unwissenden (natürlich auf höfliche Art und Weise) dastehen lassen, das macht doch gleich einen viel kompetenteren Eindruck?
Ich kenne Leute die sind LPI zertifiziert und haben keine Ahnung von Linux!
Nun klar - ich kenne Leute die haben studiert, ihr ABI gemacht, haben hohe Posten in Firmen etc., aber denen würde ich teilweise nichteinmal zutrauen im Supermarkt den Unterschied zwischen Klopapier und Zewas zu “erraten”!
Idioten gibt und wird es auch immer geben - vielleicht können Sie auch einfach super auswendig lernen? Das geht auch! Es ist nur viel aufwändiger und man wird nicht wirklicher klüger..
LPI macht die gesamte OpenSource Szene kaputt.
Das war immer der Punkt an dem ich nur ersteinmal mit einem neutralen “hmm?” antworten konnte, was war gemeint? Was mache ICH jetzt kaputt? Bin ich für den Untergang meiner geliebten Szene verantwortlich?
Nun nach meinem berüchtigtem “hmm?” folgt dann eine kurze Frage die meist Salopp nur in “Was willst du?” ausfällt - jaja die Hessen eben
- Ich konnte meist herausfinden, dass die Personen eine freie Organisation sich für soetwas wünschten. Was ist nun frei? Ist die LPI nicht frei? Was bedeutet frei?..
Nun frei vielleicht in Gedanken von “lässt sich nicht von der Industrie steuern” oder doch eher “sie ist kostenlos”? Ich habe beide Begnungen mehrfach erlebt.
Ersteinmal zur LPI und der Industrie.. Es ist eine Organisation welches ein “INDUSTRIE”-Zertifikat ausstellt, dort sitzen auch zum großen Teil Firmenmitglieder, warum denn das? Das klingt doch nach Intrigen.. Nein! Denn die Industrie will mit vorgeben, was mit abverlangt wird - das hat den großen Vorteil, dass das ganze für die Industrie transparent und interessant wird, somit wird das Zertfikat besser anerkannt.
Dann zu dem Part, dass es frei sein sollte von jeglichen Kosten, nun LPI ist nicht OpenSource in dem Sinne, die Fragen basieren nur darauf. Dann muss man mal sehen, sie haben viel Arbeit (mehr als viele annehmen, das ist nicht alles leicht und einfach..).
Okay ich will das jetzt nicht schönreden, ich mache einen Vorschlag einfach! Wie wäre es damit:
Es finden sich in den nächsten 4 Wochen 200 Menschen zusammen, die nahezu ganztags einen Verein für eine ähnliche Zertifizierung auf die Beine stellen, aber wir wollen es nicht einfach machen..
Das Projekt muss ständig gepflegt werden und für Firmen interessant und bekannt werden, es muss also Lobby Arbeit geleistet werden! Dazu findet bitte freundliche Spender, die das ganze mit Euronen unstützen. Was heisst bitte? Ohne geht es ja nicht..
Das sind nun nur die aller ersten Probleme dabei, das nächste wäre “wer arbeitet bitte soviel Umsonst?” - also ich zumindest nicht (außer für Debian natürlich)
Nun das sind meine ersten Gedanken die mir zu dem Thema und der Kontroverse im www dazu sofort einfallen, wenn Ihr gerne mehr erfahren wollt, dann fragt ruhig drauf los!